Showtalente
Auf die kannst du bauen:
Weiße Blütensäule mit kühner Eleganz
Aus der Orchideen-Familie ist Dendrobium eine umfangreiche Gattung mit um die 1.400 vorwiegend tropischen Arten. Dendrobien wachsen überwiegend epiphytisch auf Bäumen und sind sowohl auf dem südostasiatischen Festland, den Philippinen, Borneo, Australien, Neuguinea als auch in Neuseeland zuhause. Aber wusstest du auch, dass sich Dendrobium-Orchideen den sehr unterschiedlichen Lebensbedingungen, die von den Höhenlagen des Himalaja bis zu den tropischen Regenwäldern reichen, perfekt angepasst haben. Dendrobium bilden zahlreiche Luftwurzeln aus, mit deren Hilfe sie sich zum einen auf den Wirtspflanzen festhalten, zum anderen nehmen sie damit Nährstoffe aus der Luft auf.
Die kühne weiße Blütensäule gehört zur Dendrobium nobile Gruppe. Um das etwa 20 bis 30 Zentimeter hohe Stämmchen, das man Pseudobulben nennt, stehen wechselständig ledrige, lanzettförmige, frischgrüne Blätter. Zwischen diesen erscheinen die sanften, weißen Blüten mit einem grüngelben Zentrum auf der Lippe und den inneren Blütenblättern.
Dendrobium nobile ist überaus unkompliziert in der Pflege. Diese Orchidee schätzt einen hellen Standort, mag allerdings keine pralle Sonne. Das Pflanzsubstrat darf wie bei den meisten Orchideen nicht zu feucht sein, weil sie ausschließlich Luftwurzeln ausbilden. Viele Orchideenliebhaber gießen ihre Pflanzen deshalb überhaupt nicht, sondern besprühen sie und die Pflanzerde täglich mit weichem Wasser. Alternativ reicht ein wöchentlich Tauchbad ebenfalls aus. Allerdings muss danach das Wasser gut ablaufen.
Dass Farben unsere Stimmung beeinflussen, ist hinlänglich bekannt. Frisches Grün beruhigt, Weiß belebt die Sinne und stimuliert. Darüber hinaus ist diese Pflanze allerdings in der Lage noch viel mehr zu geben. Schenkt man ihr nämlich ein wenig Pflegezeit und Achtsamkeit, kann man auf Dendrobium nobile bauen, denn dann entfaltet diese kühne Blütensäule von nobler Eleganz über Monate ihre exotische Pracht. Und sie blüht wieder und wieder … für einen selbst und für andere.
Glasklar
Orchideen sehen in fast allen Pflanzgefäßen gut aus. In durchsichtigen Glasgefäßen kommt ihre filigrane Ausstrahlung aber besonders zum Ausdruck. Ihre Wurzeln sind hier inmitten des Substrats oder der Steine gut sichtbar. Manche Sorten kommen sogar ganz ohne Orchideensubstrat aus. Dann gibt das Glas den „unverstellten“ Blick auf die gesamte Pflanze – von der Wurzel bis zur Blüte – frei.
Sex und Crime im Biotop: Orchideen greifen tief in die Trickkiste
Der Anblick von Orchideen ist ein Fest für die Sinne. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Farbstellungen, abgedrehtesten Formen und mit den manieriertesten Zeichnungen. Doch neben diesen reinen Äußerlichkeiten, sind die biologischen Finessen der Orchideen besonders erstaunlich und aufregend. Orchideen haben nämlich ziemlich ausgeklügelte Tricks auf Lager, Insekten als Pollenkuriere einzuspannen, um ihren eigenen Fortbestand zu sichern. Einige Orchideenarten haben z.B. Ähnlichkeit mit den Weibchen bestimmter Bienen- oder Wespenarten und verführen so liebeshungrige Insektenmänner zum Sex. Diese wollen immer wieder ihre vermeintliche Partnerinnen begatten und bekleben sich an den Blüten gleich mit ganzen Pollenpaketen. Bei erneuten Kopulationsvorhaben an einer andern Blüte streifen sie den Pollen dort ab und sichern so die zur Fortpflanzung der Orchideen notwendige Bestäubung. Wo andere Pflanzen nur mit Nektar locken, bieten Orchideen also Sex oder zumindest die Illusion davon.
Freiheitsberaubung
Eine andere Art, das „Kleine Knabenkraut”, schwört auf eine verführerische Parfümierung und bringt fast schon kriminelle Energie auf, nämlich eine zeitweilige Freiheitsberaubung. Auf der Suche nach atemberaubenden Duftquelle hocken sich die Bienenkerle lässig auf den Rand des Blütenschuhs und rutschen – juppheidi – tölpelhaft hinein in die Blüte. Doch die glatten Innenwände verhindern den einfachen Weg zurück in die Freiheit und nur auf einem durch Haare markierten Umweg gelangen die Bienenmänner nach einem Irrlauf schließlich wieder hinaus. Allerdings nicht ohne dabei die Narbe zu streifen und sich mit Pollenpakten beladen zu lassen. Als voll bepackte Pollenkuriere verlassen sie dann die „Kesselfalle” und stürzen sich nicht selten ins nächste Abenteuer mit der Orchideennachbarin. Unbelehrbar eben.
Eleganz und Schönheit
Wir Menschen verfallen der Schönheit der Orchideen zum Glück auf ganz andere Weise. Für uns sind sie, je nach Art und Sorte, entweder Ausdruck edler Eleganz oder erhabener Schönheit, filigraner Lebhaftigkeit oder atemberaubender Einzigartigkeit, üppiger Blühfreude oder faszinierender Leuchtkraft, zarter Flatterhaftigkeit oder exotischer Sehnsucht … Die Liste ließe sich endlos fortsetzen, wäre da nicht der stetig wachsende Wunsch, sich möglichst bald im Gartencenter oder beim Floristen den Verführerinnen mit Haut und Haar zu ergeben. Her mit den Orchideen – wir geben ihrer Zukunft ein Zuhause.
Seit Jahrtausenden bewundert und geliebt
Orchideen sind Juwelen der Natur. Bereits seit vielen Jahrtausenden hat der Mensch eine intensive Beziehung zu diesen botanischen Schätzen, weltweit zieht sie sich durch fast alle Kulturen. Die Azteken verehrten sie als heilige Gewächse und fertigten steinerne Reliefs mit Orchideenmotiven für ihre Tempel an. Griechische Dichter widmeten ihr lange und ausführliche Schriften. Die Ureinwohner Nordamerikas kannten – schon lange bevor Europäer ins Land kamen – Vanille, die Schoten einer bestimmten Orchideenart. Für den chinesischen Philosoph Konfuzius bedeutet das Wort Orchidee so viel wie Reinheit, Anmut, Schönheit und Liebe. In buddhistisch geprägten Ländern sind Feierlichkeiten auch heute stets von Orchideenblüten begleitet. Unzählige Sammler und Forschungsreisende zog es über Jahrhunderte in die entlegendsten Winkel dieser Erde, um neue unbekannte Arten zu entdecken. Auch heute haben Orchideen nichts von ihrem Zauber und ihrer Beliebtheit eingebüßt, sie sind in den letzten Jahren zur beliebtesten Zimmerpflanze avanciert.